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Mietrendite berechnen: Brutto, Netto, Cashflow und ROE

Vier Kennzahlen entscheiden, ob eine Immobilie wirklich rentabel ist. In diesem Guide zeigen wir die korrekten Formeln, typische Denkfehler und ein ausgearbeitetes Beispiel.

Lesezeit: ca. 10 Minuten · Aktualisiert: 15.05.2026

Vier Kennzahlen — und warum die meisten Käufer nur eine kennen

Im Maklerexposé steht meistens nur die Brutto-Mietrendite. Sie ist die einfachste Zahl — und gleichzeitig die irreführendste. Wer eine Immobilie kauft, ohne mindestens drei weitere Kennzahlen berechnet zu haben, kauft im Blindflug. Hier sind die vier Größen, die wirklich entscheiden:

1. Brutto-Mietrendite — die Schnellsortierung

Brutto-Mietrendite = (Jahres-Kaltmiete / Gesamtinvestition) × 100

Die Gesamtinvestition umfasst Kaufpreis + Kaufnebenkosten: Grunderwerbsteuer (3,5 % bis 6,5 % je nach Bundesland), Notar und Grundbuch (~1,5 %), ggf. Maklerprovision (~3,5 %). Insgesamt rechnet man mit 8–12 % Aufschlag auf den Kaufpreis.

Faustregel für deutsche Großstädte: 3–4 % Brutto-Mietrendite ist normal, 4–5 % gut, über 5 % entweder B-Lage oder mit verstecktem Risiko (Sanierungsstau, Mietkappung, problematische Nachbarschaft).

2. Netto-Mietrendite — die ehrliche Zahl

Netto-Mietrendite = ((Kaltmiete − Werbungskosten) / Gesamtinvestition) × 100

Werbungskosten sind alle laufenden Ausgaben, die du als Vermieter steuerlich absetzen kannst:

Schuldzinsen und AfA kommen hier noch nicht rein — die gehören in den Cashflow.

3. Cashflow vor und nach Steuern — was monatlich übrig bleibt

Wer eine Immobilie finanziert, muss die Annuität (Zins + Tilgung) berücksichtigen. Der Cashflow ist die monatlich tatsächlich frei werdende Liquidität:

NOI = Kaltmiete − Werbungskosten
Cashflow vor Steuern = NOI − Annuität (Zins + Tilgung)
Steuerpfl. Ergebnis = NOI − Zinsen − AfA
Cashflow nach Steuern = Cashflow vor Steuern − (Steuerpfl. × Grenzsteuersatz)

Wichtig: Die Tilgung ist nicht steuerlich absetzbar. Nur der Zins-Anteil der Rate ist Werbungskosten. Diese Trennung ist der Hauptgrund, warum eine pauschale Cashflow-Rechnung „Miete minus Rate" falsch ist.

Die AfA (Abschreibung für Abnutzung) mindert den steuerpflichtigen Gewinn, aber kostet keinen Cent realen Geld — bei Bestandsbauten 2 % des Gebäudewerts pro Jahr. Dadurch ist der „buchhalterische Verlust" bei vermieteten Immobilien meistens deutlich höher als die tatsächliche Liquiditätssituation.

4. Eigenkapitalrendite (ROE) — die einzige vergleichbare Größe

ROE = (Cashflow nach Steuern / eingesetztes Eigenkapital) × 100

Mit der ROE kannst du eine Immobilie fair gegen ETF, Anleihen oder andere Investments vergleichen. Eine ETW mit 4 % Brutto-Mietrendite kann durch den Leverage-Effekt eine ROE von 15–20 % bringen — solange der Cashflow positiv ist.

Achtung Leverage-Falle: Wenn der Cashflow ins Negative kippt, wird aus 15 % ROE ein zweistelliger Verlust auf das Eigenkapital. Cashflow-Stresstests (Zinserhöhung um 2 %, 3 Monate Mietausfall) sind Pflicht.

Beispielrechnung: ETW in München, 280.000 € Kaufpreis

Eckdaten
Kaufpreis280.000 €Kaufnebenkosten (10,5 %)29.400 €Gesamtinvestition309.400 €Eigenkapital80.000 €Darlehen229.400 €Zinssatz (10 Jahre fest)3,8 %Anfangstilgung2,0 %Annuität (mtl.)1.108 €Kaltmiete (mtl.)1.150 €Jahres-Kaltmiete13.800 €Werbungskosten p. a.2.800 €Grenzsteuersatz42 %
Berechnung
Brutto-Mietrendite13.800 / 309.400 = 4,46 %Netto-Mietrendite(13.800 − 2.800) / 309.400 = 3,55 %NOI (jährlich)13.800 − 2.800 = 11.000 €Cashflow vor Steuern11.000 − 13.296 = −2.296 €AfA (2 % auf 248k Geb.-Wert)≈ 4.960 €Zinsen Jahr 1≈ 8.560 €Steuerpfl. Ergebnis11.000 − 8.560 − 4.960 = −2.520 €Steuer-Ersparnis (42 %)+1.058 €Cashflow nach Steuern−1.238 € / JahrEigenkapitalrendite (ROE)−1.238 / 80.000 = −1,55 %
Interpretation: Trotz 4,46 % Brutto-Mietrendite ist das Objekt bei dieser Finanzierung knapp Cashflow-negativ. Die Tilgung baut zwar Eigenkapital auf (rund 4.700 € im ersten Jahr — das ist Vermögensaufbau, kein Verlust), aber als reines Cashflow-Investment funktioniert das Objekt nur mit Wertsteigerungserwartung. Erst nach 8–12 Jahren (bei Mieterhöhungen + sinkenden Zinsen aus dem Tilgungsplan) kippt der Cashflow ins Positive.

Häufige Denkfehler

So rechnest du mit Nuvestra automatisch

Diese Rechnung manuell in Excel zu pflegen ist möglich, aber fehleranfällig — vor allem wenn sich Zinsen, Mieten oder Werbungskosten ändern. Im Immobilien-Modul von Nuvestra (verfügbar ab Plus-Tarif) trägst du das Objekt einmal ein, ordnest Banktransaktionen zu, und alle vier Kennzahlen rechnen sich live aus den Buchungen.

Plus: Anlage V Zeile 14–50 wird automatisch befüllt, AfA mit einem Klick pro Jahr gebucht, Tilgungsplan inklusive Sondertilgungen integriert.

Fazit

Wer eine Immobilie kaufen oder bewerten will, kommt um die Berechnung von Brutto- und Netto-Mietrendite, Cashflow und Eigenkapitalrendite nicht herum. Die Brutto-Rendite ist nur ein erster Filter — die wahre Bewertung passiert über Cashflow und ROE. Tools, die diese Kennzahlen automatisch aus den Buchungen rechnen, sparen Stunden pro Monat und verhindern Rechenfehler in der eigenen Excel-Vorlage.